Die FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat gegen das Vorhaben des Senats, eine Straßenbahnlinie zwischen Potsdamer Platz und Alexanderplatz zu bauen, mobil gemacht und einen als Tram getarnten 7,5-Tonner auf den in der Leipziger Straße bereits liegenden Gleisen fahren lassen. Mit der Aufschrift auf dem Plakat am Hinterteil des Lkw „Ich bin eine Tram. Und staue hier bald öfter rum.“ wurde demonstriert, wie eine Straßenbahn den Verkehrsfluss lähmen würde.

„Man sieht sehr gut, was eine Tram hier bewirken würde“, sagte FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja, der auch Vorsitzender des Ortsverbandes ist. „Statt zukunftsweisender Infrastruktur verordnet Rot-Rot-Grün Berlin Bimmel-Bahn und Dauerstau. Die Tram-Linie entlang der Leipziger Straße entspricht dem auf Schienen gelegten Wahnsinn einer gänzlich ideologisierten Verkehrsplanung.“ Der Sprecher der FDP-Fraktion u.a. für Infrastruktur, Henner Schmidt, ergänzte: „Die neue Straßenbahn würde diesen Stau in unzumutbarer Weise verstärken. Das ist weder für die Autofahrer noch für die Anwohner zumutbar. Der Senat sollte deshalb auf den Bau dieser Linie am besten ganz verzichten.“

Hintergrund:

Der geplante Bau der Straßenbahnstrecke stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die gesamte innerstädtische Verkehrs-Infrastruktur dar. Der zur Realisierung der Straßenbahnverbindung notwendige Neubau der Mühlendammbrücke und der möglicherweise ebenfalls notwendige Neubau der Gertraudenbrücke sind millionenschwere Infrastrukturmaßnahmen, deren Verhältnismäßigkeit vorab sorgfältigst zu prüfen ist.

Der beschlossene, aber noch nicht endgültig im Detail geplante Umbau des Molkenmarktes ist gleichfalls eine wichtige Rahmenbedingung für die Planung der genannten Straßenbahnstrecke, ebenso wie die beabsichtigten Planungen für neue Radwege im Bereich der Hauptverkehrsstraßen im betroffenen Gebiet.

Ein Bau der Straßenbahnstrecke im Engpass der Leipziger Straße zwischen Charlottenstraße und Potsdamer Platz würde eine erhebliche Verengung des Verkehrsraumes zu Lasten des motorisierten Individualverkehrs, des Fahrradverkehrs und der dort verkehrenden Buslinien darstellen, der zu dauerhaften Stauproblemen und Konflikten in diesem Abschnitt der B1 führen würde, weshalb zumindest hier auch eine unterirdische Führung zu betrachten wäre, die auch in Verbindung mit dem bestehenden vorgehaltenen unterirdischen Bahnhof unter dem Potsdamer Platz sinnvoll erscheint.

Der Bau der Straßenbahn würde auch in der Bauphase zu einem jahrelangen Verkehrschaos auf der Bundesstraße 1 führen sowie Anwohner, Gewerbetreibende und öffentliche Institutionen im Umfeld der dann zu umfahrenden Strecke sehr erheblich belasten. Dies gilt umso mehr, wenn auch noch die beiden Brücken (Mühlendammbrücke, Gertraudenbrücke) neu gebaut werden müssten. Auch in dieser Hinsicht sind genauere Untersuchungen der durch den Bau möglicherweise verursachten Probleme notwendig, um einen Verkehrskollaps über mehrere Jahre der Bauphase unbedingt zu vermeiden.